18. Oktober 2019: In diesen Tagen erhalten Unternehmen mehr Planungssicherheit hinsichtlich der Höhe der Energiegesamtkosten im nächsten Jahr, denn zahlreiche Energienebenkosten werden im Oktober verkündet – die Anpassungen bringen manch böse Überraschung mit sich. Von Dennis Becher.

Während die meisten Industriekunden im Oktober ihren reinen Beschaffungspreis für Strom und Erdgas in 2020 bereits kennen, standen bzw. stehen Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte der Höhe nach noch nicht (final) fest - machen aber rund 70% der Strom- bzw. 15% der Erdgasgesamtkosten aus.

Seit dieser Woche herrscht deutlich mehr Klarheit für die deutsche Industrie. Zusätzlich zu den marktbedingten Stromkostensteigerungen für Unternehmen entwickeln sich 2020 auch die „regulierten“ Kostenbestandteile aufwärts. So steigt die EEG-Umlage für 2020 auf 6,756 ct/kWh, was ein Plus von 5,5 % gegenüber dem laufenden Jahr ausmacht. Die verbindlichen Daten zur StromNEV-Umlage sowie KWK-Umlage lassen zwar noch bis zum 25. Oktober auf sich warten, bieten allerdings aufgrund ihrer absoluten Höhe und der historischen Preisentwicklung kaum Spielraum zur Kompensation oder Grund zum Optimismus. Einzig die Offshore-Netzumlage (kurz: ONU) wird 2020 mit 0,416 ct/kWh ein stabiles Niveau aufweisen. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass sich diese Komponente gegenüber ihrem Pendant, der Offshore-Haftungsumlage, im Jahr 2019 durch die Veränderung der Kalkulationsgrundlage verzehnfacht hat. Der damit wiederum einhergehende reduzierende Effekt auf die Kalkulation der Netzentgelte durch die Überführung der Kosten für den Betrieb und Errichtung von Offshore-Netzanschlüssen in die ONU blieb bereits in 2019 weitestgehend aus.

Neben steigenden Marktpreisen für Strom und damit korrespondierenden Umlagen liegen für den Großteil der Netzentgelte ebenfalls – zumindest vorläufige – Veröffentlichungen für 2020 vor (final am 31.12.). Auch für diesen Teil der Stromgesamtkosten ist ein Aufwärtstrend von durchschnittlich 6% zu verzeichnen, wobei in Einzelfällen einige Verteilnetzbetreiber Netzentgelte mit einem Preisanstieg im zweistelligen Prozentbereich zur Genehmigung vorgelegt haben. Nach einer recht stabilen Kostensituation bei den Gasnetzentgelten in den Vorjahren ist neben der Stromnetzentgelte auch beim Gastransport ein Kostenanstieg von gut 3% zu erwarten.

Um den steigenden Netzentgelten zu begegnen, sollten alle Register gezogen werden. Bisher konnten Reduzierungen der Netzentgelte grundsätzlich nur durch Veränderung des Abnahmeverhaltens (Lastmanagement) oder Produktionsverschiebung und damit durch unmittelbare Eingriffe in den Produktionsprozess realisiert werden. Das bleibt auch weiterhin der erste Ansatzpunkt zur Netzentgeltoptimierung. Inzwischen sind die Kosten für Stromspeicher deutlich gesunken, so dass mithilfe solcher Speicher auch ohne Eingriffe in das Produktionsverhalten mancherorts schlummernde Einsparpotenziale gehoben werden könnten.